Die aktuellen Tips vom LESEZEICHEN-Team

Hier stellen wir in regelmässigen Abständen unsere Lieblingstitel bzw. Neuerscheinungen vor.

 

Rolf Dobelli
Massimo Marini

Als moderne griechische Tragödie hat Rolf Dobelli seinen Roman beschrieben, und diese Bezeichnung trifft den Nagel auf den Kopf. Aufstieg und Fall eines scheinbaren Götterlieblings schildert der Autor dank dem geschickten Einsatz des Ich-Erzählers Wyss aus relativer Distanz, in klarer, kraftvoller Sprache. So ergibt sich die verstörende Dramatik des Romans scheinbar von allein, nichts wirkt hier gekünstelt und konstruiert - auch wenn eine Analyse nach der Lektüre natürlich zeigt, dass der Autor nichts dem Zufall überlassen hat, sondern Figur für Figur, Szene für Szene, jeden Zusammenhang, jede Interaktion seiner Charaktere sorgfältig entworfen hat.

Den Hintergrund dieses an eine Familiensaga erinnernden Romans bildet das Schicksal vieler italienischer Zuwanderer in der Schweiz, die man Fremdarbeiter nannte, und die lange nach Möglichkeit aus der Schweizer Gesellschaft ausgesperrt blieben. Sensibel befasst sich Rolf Dobelli mit diesem Thema, das auch in Deutschland nichts an Aktualität eingebüßt hat. Dennoch stehen sein Massimo und dessen Eltern für sich, dienen nicht als Galionsfiguren für eine sozialkritische Betrachtung. Diese eventuell auszuführen, bleibt dem Leser selbst überlassen. Auch in anderer Hinsicht darf der Leser gelegentlich überlegen, ob er eine Andeutung weiterspinnen und der Tragödie eine weitere Facette verleihen will. Raum für Interpretationen ist trotz der an sich klaren "Story" immer gegeben.

Ein brillanter Roman, spannend von der ersten bis zur letzten Seite, dabei tiefgründig, von fesselndem Stil und kraftvoller Sprache. Ausgesprochen empfehlenswert!

 

 

Jürgen-Thomas Ernst
Anima

Jürgen Thomas Ernst beschreibt in seinem Debüt-Roman "Anima", der stellenweise an große Vorbilder wie Süßkinds "Das Parfüm" oder Schneiders "Schlafes Bruder" erinnert, eine erschreckend-grausame Kindheit im historischen Hohenems, einer Rheintalgemeinde im Vorarlberg des 19. Jahrhunderts. Anselm Ender, der versehrte Protagonist des Romans erfährt von Jugend an keine Liebe, einzig die Natur ist ihm Trost und Rückzugsgebiet, um seiner mörderischen, kalten Umgebung zu entkommen. Trotz aller Widrigkeiten kann sich Anselm Ender immer wieder behaupten. Das Laufen wird zu seiner Lebenspassion und rettet sein Leben, das von Anfang an nur von Rückschlägen geprägt ist. Das Hohenems, das Ernst beschreibt, ist nicht schön und anheimelnd, sondern stinkend, kränkelnd und von Unglück und Tod geprägt. In überraschenden Episoden gelangt Ender durch plötzliche Wendungen des Schicksals oder das Wohlwollen seltsamer Mitmenschen doch noch zu seinem Lebensglück (mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden). Die Lektüre des Romans lohnt sich auf jeden Fall, zumal der Autor akribisch über die historische Umgebung der Hauptfigur recherchiert hat. Einzelne Orte des Buches sind im heutigen Hohenems zu verorten, so etwa die Rosenthalsche Texilfabrik, das jüdische Viertel oder die Christengasse (heute Marktstraße). Zudem sind die Naturbeschreibungen derart plastisch, dass man sich stellenweise heimisch wähnt. Man merkt, dass der Autor selbst ein Naturliebhaber ist, stellenweise wird dies durch Detailbeschreibungen von Pflanzen oder Holzarten deutlich. So feindlich und abweisend das Umfeld Anselm Ender behandelt, so scheinbar schicksalhaft meistert er die Widrigkeiten seines Lebens. Die Hauptfigur Anselm ist im weitesten Sinn ein Simplicissimus Deutsch oder Oskar Matzerath des 19. Jahrhunderts, ein höchst einprägsamer Antiheld, der seinesgleichen sucht. Intuitiv erinnert dieser tragisch-sympathische Charakter auch an Forrest Gump, den anderen begnadeten Läufer über dem großen Teich.


 

 

Isabel Abedi
Merope, das Sternenkind

"Merope ist das kleinste Sternenkind im Siebengestirn. Eines Abends im Advent kann sie einfach nicht einschlafen. Sie schüttelt ihre Sternendecke aus und wie durch ein Wunder fallen die winzigen Sterne auf die Erde herab. Merope fliegt hinterher und erlebt viele Abenteuer mit der Weihnachtshexe, dem Nikolaus und dem fröhlichsten Schneemann der Welt. "

 

 

Ulrike Hagen
Kochen aus Leidenschaft

Mit viel Liebe zum Detail vermittelt Kochen aus Leidenschaft nicht nur köstliche Rezepte, sondern auch den dazu passenden Lifestyle, der zu verschiedenen Festen im Wechsel der Jahreszeiten die Leidenschaft und Liebe der Autorin zum Kochen widerspiegelt. Die Hauptrolle spielen die Rezepte aus der Küche Mitteleuropas mit mediterranen Einflüssen. Sie sind einfach und genau beschrieben und sowohl für geübte als auch für weniger geübte Köche leicht nachzukochen. Mit kulinarischer Vielfalt führt das Buch durch das ganze Jahr und beeindruckt durch stimmungsvolle Gestaltung und appetitanregende Fotografien von Alexander Bayer. Mit ihrem Kochbuch möchte die Autorin den Leser anstecken mit Liebe, Lust und Leidenschaft fürs Kochen, miteinander Essen, Feiern und Genießen!

 

 

Tess Geritssen
Totengrund

Endlich – Der 8. Fall für Jane Rizzoli & Maura Isles.

Tief verschneite Berge, ein ausgestorbenes Dorf und eine verschwundene Maura Isles – Jane Rizzolis schwierigster Fall ...

In einem Dorf in den tief verschneiten Bergen Wyomings ist etwas Schreckliches passiert. Die Fenster der Häuser sind offen, das Essen steht noch auf den Tischen, doch keine Menschenseele ist zu sehen. An diesem verlassenen Ort haben Maura Isles und ihre Freunde während eines Schneesturms Zuflucht gesucht. Und sind seitdem spurlos verschwunden. Nur ein einziger Fußabdruck zeigt, sie waren nicht allein in diesem einsamen Tal ... Als Jane Rizzoli Tage später erfährt, dass ihre Freundin nicht von einer Pathologenkonferenz in Wyoming zurückgekommen ist und ein Autowrack mit vier Toten gefunden wurde – darunter eine verbrannte Frauenleiche in Mauras Alter –, stellt sie sich nur noch eine Frage: Lebt Maura noch?